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OF

COMPAP.ATIVE ZOÖLOGY,

Kl IIAKVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. jFownDe^ i)^ pribntc subscrfption, in 1861.

DR. L. DE KONINCK'S LIBRARY.

No. 131 .

SITZUNGSBERICHTE

DER KAISERLICHEN

mDElE DER WISSE^SdHlFTEl

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.

EILFTER BAND.

WIEN.

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDKUCKEREI.

IN COMMISSIÜN BEI W. BRAUMÜLLER. BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES UND DER K. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

1854.

SITZUNGSBERICHTE

DER

MATHEMATISCH-NATÜRMSSENSCHAFTLICHEN

CLASSE

DER KAISERLICHEN

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

EILFTER BAND.

Jahrgang 1853. Heft I V. (Mit bi Cafcln.)

WIEN.

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.

IN COMMISSION BEI W. BRAUMÜLLER, BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES UND DER K. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

18S4.

INHALT.

Scrte

Sitzung; vom 9. Juni 1853.

Humboldt, Über Maury"s Wind and Current Charts 3

Reuss, Beiträge zur Charakteristik der Kreideschichten in den

Ostalpen, besonders im Gosauthale und am Wolfgangsee . 4

Jordan, Krystallisirtes Zinkoxyd aus einem Hochofen 8

Schabus, Krystallform des Zinkoxydes 9

Kenngott, Mineralogische Notizen. (Dritte Folge.) 12

Heeger, Beiträge zur Naturgeschichte der Insecten. 10. Fortsetzung.

(Mit 6 Tafeln.) 24

Grailich, Untersuchungen über den ein- und zweiaxigen Glimmer.

(Mit 3 Tafeln.) 46

Hauer, K. R. v.. Über die Beschaffenheit der Lava des Ätna von der

Eruption im Jahre 1852 87

Türck, Über secundäre Erkrankung einzelner Rückenmarkstränge

und ihrer Fortsetzungen zum Gehirne. (Mit 1 Tafel.) . . 93 Sitzung vom 16. Juni 18S3.

Schmarda, Zur Naturgeschichte Ägyptens 120

Kreil, Geographische und magnetische Bestimmungen aus dem

Nilthale. Von Ritter von Fridau 121

Hecket, Bericht über die vom Herrn Cavaliere Achille de Zigno

hier angelangte Sammlung fossiler Fische 122

Kner, Über einige Sexual-Ünterschiede bei der Gattung Callichthys

und die Schwimmblase bei Boras C, Val 138

Sitzung; vom 23. Juni 1853.

Schauroth, Ein Beitrag zur Fauna des deutschen Zechsteingebirges,

mit Berücksichtigung von King's Monographie der Ver- steinerungen des permischen Systems in England. (Mit

1 Tafel.) 147

Unger, Die fossile Flora von Gleichenberg 211

Brücke, Über die Wirkung complementär gefärbter Gläser beim

binocuiären Sehen 213

Verzeichniss. der eingegangenen Druckschriften 217

Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im Mai 1853.

(Mit 1 Tafel.)

VI

Sitzung vom 7, Juli 18S3. i^ÜS

Engel, Die ersten Entwickelungsvorgänge im Thierei und Fcjetus.

(Mit 3 Tafeln.) 223

Kenngott, Mineralogische Notizen. (Vierte Folge.) 290

Unger, Beiträge zur Kenntniss der niedersten Algenformen, nebst

Versuchen ihre Entstehung betreffend 301

Hyrtl, Zur Anatomie von Saccohrnnchus stngio C. V, (Mit 1 Tafel.) 302 Haidinger, Die Austheilung der Oberflächenfarben am Murexid . 307 Sitzung vom 14. Juli 1853.

Brühl, Nachweis gegen Hyrtl und Stannius 318

Heckel, Über fossile Fische aus Chiavon und das geologische Alter

der sie enthaltenden Schichten 322

Sitzung vom 21. Juli 1853.

Rochleder und Schwarz, Über einige Bitterstoffe 334

Kawalier, Über Pinus sylvestris 344

Rochleder und Schwarz, Nachschrift zur Untersuchung von Pinus

sylvestris des Hrn. Kawalier 371

Hawranek, Chemische Zusammensetzung eines Mergels und eines

Hippuritenkalkes aus der Gosau, so wie einiger antiker

Bronze 372

Orth und Stanek, Analyse der Asche von Bromus-Arten .... 374 Petrina, Über eine Vereinfachung beim telegraphischen Correspon-

diren in grosse Entfernungen 375

Kenngott, Mineralogische Notizen. (Fünfte Folge.) 378

Haidinger, Die Farben des Mausits 393

Paläo-Krystalle, durch Pseudomorphose verändert . . 397

Fitzinger, Untersuchungen über die Existenz verschiedener Arten

unter den asiatischen Orang-Affen 400

Hinterberger, Einiges über Seide und Seidenzucht 450

Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften 455

Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im Juni 1853.

(Mit 1 Tafel.) Sitzung vom 6. Oetober 1853.

Handelsministerium übersendet 2 Kisten mit luisianischen Vögeln

und sechs Flaschen mit Schlangen, vom k. Consul Fiimer in

New-Orleans 461

Loosey , Sendung von Fischen und Reptilien der Smithsonian

Institution 461

Zerrenner, Über einige im Goldsande von Olähpian vorkommende

Metalle 462

Schoenbein, Über Farbenveränderungen 464

Fritsch, Über Schneefiguren 492

Weitere Belege für eine seculäre Änderung der Luft- temperatur 499

Pohl, Beiträge zur Prüfung der Mikroskope. (Mit 1 Tafel.) . . . 504

\

YII

Sitzung vom 13. October 1853. i^

Engel, Darstellung der ersten Entwickelung des Circulations-, Re-

spirations- und Verdauungs-Apparates. (Mit 5 Tafeln.) . . 535 Kenngott, Mineralogische Notizen. Sechste Folge. (31it 2 Tafeln.) 604 Zeisczner, Geognostische Schilderung der Gangverhältnisse bei

Kotterbach (und Poracz) im Zipser Comitate 619

Pohl, Über Sacharometer, deren Anfertigung und Prüfung. (Mit

1 Tafel.) 632

Sitzung vom 20. October 1853.

Moser, Über die Zusammensetzung der Asche von Kartoffelknollen 667 Pariseh, Über den Meteorstein -Niederfall unweit Mezö-Madaras

in Siebenbürgen am 4. September 1852 674

Auszug aus dem amtlichen Berichte über den am 4. Sep- tember 1852 bei Mezö-Madaras in Siebenbürgen stattge- habten Meteoriten-Fall 675

Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften 682

Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im Juli und August. (Mit 2 Tafeln.) Sitzung vom 3. November 1853.

Ansuchen des c. M., Herrn Joach. Bar ran de an die Akademie wegen Herausgabe des zweiten Bandes seines Werkes:

yiSysteme silurien du centre de la Boheme'-'' 691

Wertheim, Über den Gang der Pulsfrequenz und der Exsudations- intensität während des Vaecineprocesses. (Mit 3 Tafeln.) . 692 \ Gintl, Schreiben des Herrn Prof. Zantedeschi über die Existenz \ und die Natur der elektrischen Ströme, welche in den Tele-

\ graphen-Leitungen beobachtet wurden 730

Littrow, Über das allgemeine Niveau der Meere 735

Die Culminationspunkte der östlichen Central-Alpen . . . 742 Hyrtl, Über einige Eigenthümlichkeiten der arteriellen Gefässver-

ästlungen bei den Seehunden und Wallrossen 744

Sitzung vom 10. November 1853.

Kenngott, Mineralogische Notizen. Siebente Folge 750

Hechel, Bericht über die am 15. August 1853 bei Cittanuova

gestrandeten Pottwalle 765

Fritsch, Die Lufttemperatur steigt und fällt binnen einer analogen

eilfjährigen Periode, in welcher sich die Sonnenflecken

vermindern und vermehren 773

Sitzung vom 17. November 1853.

Bericht des w. M., Herrn Prof. Petzval über eine Abhandlung

des Herrn Ober-Ingenieurs Johann Arcari 774

Ettingshausen, C. v., Beitrag zur Kentitniss der fossilen Flora von

Tokay. (Mit 4 Tafeln.) 779

Grailich, Bewegung des Lichtes in optisch -einaxigen Zwillings-

krystallen 817

VIII

Seite Patera, Über fabriksmässige Darstellung von Urangelb .... 842

Verzeichmss der eingegangenen Druckschriften 845

Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im Sept. 1853. (Mit 1 Tafel.) ^Sitzung vom 1. December 1853.

Auszug aus dem Berichte des w. M., Herrn Professors Dr. Fenz.1, über die Reise des verstorbenen kaiserlich-österreichischen

Vice-Consuls Reitz in Abyssinien 851

Rochleder, Über die Constitution der organischen Verbindungen.

I. Abtheilung 852

Reuss, Kritische Bemerkungen über die von Herrn Zekeli be- schriebenen Gasteropoden der Gosaugebilde in den Ost- alpen. (Mit 1 Tafel.) 882

Über zwei neue Rudistenspecies aus den alpinen Kreide- schichten der Gosau. (Mit 1 Tafel.) 923

Hecger, Beiträge zur Naturgeschichte der Insecten. 11. Fortsetzung.

(Mit 6 Tafeln.) 927

Vintschgau, Ricerche suUa struttura microscopica della Retina dell' Uomo, degli Animali vertebrati e dei Cefalopodi.

(Mit 1 Tafel.) 943

Kenngott, Mineralogische Notizen. (Achte Folge.) 977

Sucss, Über die Brachial -Vorrichtung bei den Theeideen. (Mit

3 Tafeln.) 991

Vnger, Einiges über die Organisation der Blätter der Victoria

regia Li ndl. (Mit 1 Tafel.) 100«

^Sitzung; vom 9. December 18S3.

Haidinger, Die grüne Farbe der Oxalsäuren Eisenoxyd- Alkalien

und die weisse der Eisenoxyd-Alaune 1015

Engel, Über die Entwickelung des Auges und des Gehürorganes.

(Mit 2 Tafeln.) 1023

Alhini, Ricerche sul Veleno della Salamandra Maculata .... 1048

Oelizcn, Über die Bahn des Planeten Thalia 1052

Brücke, Über den Dichroismus des Blutfarbestoffes 1070

Unger, Notiz über ein Lager Tertiärpflanzen im Taurus .... 1076 Hyrtl, Über weibliche Oviducte bei männlichen Chimaeren , und

eine männliche Feste«?« setninalis bei Weibchen. (Mit 1 Tafel.) 1078 Vcrzeichjiiss der eingegangenen Druckschriften . , . ^. . . ' 1088 Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im üctober und November 1853. (Mit 2 Tafeln.)

SITZUNGSBERICHTE

KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.

XI. BA^D.

/. HEFT. JUNI.

JAHRGANG 1853.

SITZUNG VOM 9. JUNI 1833.

Herr Dr. Flügel in Leipzig, Consul der Vereinigten Staaten von Nord-America , übersandte der Akademie ddo. 31. März d. J. mehrere in America erschienene Druckwerke darunter ein Exemplar von M aury's Wind and Current Charts.

Über diese schätzbare Arbeit hat sich Alexander von Humboldt in einem Schreiben an Dr. Flügel folgendermassen ausgesprochen:

„Dem vortiefflichen Herrn Lieutenant Maury, dem Verfasser der schönen mit so vieler Umsicht und Gründlichkeit ausgearbeiteten Karten der Winde und Strömungen, bitte ich Sie, theuerster Herr Doctor, den Ausdruck meiner innigen Dankbarkeit und innigen Hoch- achtung darzubringen. Es ist ein grosses Unternelimen, gleich wich- tig für den praktischen Seefahrer als für die Fortschritte der Meteoro- logie im Allgemeinen."

„In diesem Sinne ist es auch in Deutschland von allen denen aufgefasst worden, die für physikalische Erdbeschreibung Sinn haben. Auf eine analoge Weise ist meine Theorie der Isothermen-Linien erst recht fruchtbar geworden, seitdem Dove uns die Isothermen der ein- zelnen Monate hauptsächlich auf dem Festlande hat kennen gelehrt. Da zwei Drittheile der Luftmasse einen flüssigen Boden hat, d. i. auf dem Meere ruht, so ist M aury's Arbeit um so erfreulicher und wichtiger, als sie Meereströmung, Windrichtung und Temperatur zugleich um- fasst. Wie merkwürdig sind die Temperatur- Verhältnisse »S/i^ef //. South Atlantic East and West of Long. ^fO». Wie viel wird dieser Theil der Meteorologie gewinnen, wenn nach Maury's Vorschlag des Comniodore Lewis W arringto n*s Log-Buch ausgefüllt wird. Dazu ist eine schöne Frucht dieses Unternehmens die Abkürzung der Seofaln-t von den United States zum Äquator. Die Freigebigkeit, mit der die Karten vertheilt worden sind, erhöhen die Erwartungen, zu denen man berechtigt ist. Sie sehen, dass ich nicht zu den Undank- baren gehöre."

4 Reu SS. Beiträge zur Charakteristik

„Das zweite Exemplar, das ich Ihrer Gewogenheit verdanke, habe ich in würdige Hände gelegt, die des Professors Do ve, dem die Meteorologie so viel verdankt. Der Superintendent of the National Observatory (Lieutenant Maury) spricht übrigens, wie ich aus Ihrem vorletzten Briefe vom 21. Mai sehe, viel zu bescheiden von seinem wichtigen Unternehmen etc. etc."

Eingesendete Abhandlungen.

Beiträge zur Charakteristik der Kreideschichten in den

Ostalpen, besonders im Gosauthale und am Wolfgangsee.

Von dem w. M. Prof. Dr. Ang. Em. Renss.

(Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlang.)

Die Abhandlung, welche ich hiermit der Akademie zu über- senden mich beehre, und zu welcher 30 Tafeln Abbildungen von Versteinerungen und eine geognostische Karte des Gosauthales ge- hören, umfasst die Resultate mehr als dreijähriger Untersuchungen, und zerfällt in zwei Haupttheile, einem geognostischen und paläon- tologischen.

Im ersten Abschnitte werden zuerst die Lagerungsverhältnisse der Gosauschichten abgehandelt, wie sie sich aus einer sorgsamen im Jahre 1851 vorgenommenen Untersuchung der einzelnen Localitäten ergaben, und dabei zugleich die in den einzelnen Schichten gefun- denen Petrefacten namhaft gemacht. Aus diesen Detailbeobachtungen geht nun, wie ich schon im Jahre 1851 im Jahrbuche der k. k, geo- logischen Reichsanstalt in einem kurzen Rerichte dargethan habe, unzweifelhaft hervor, dass die gesammten Gosauschichten ein zusam- menhängendes Ganzes bilden; dass sie einen Complex von regellos mit einander wechselnden Mergel-, Conglomerat-, Sandstein- und Kalksteinschichten darstellen, der in keine scharf von einander geson- derten, sich gleich bleibenden Etagen, wie man früher versucht hat, zerlegt werden kann; höchstens lassen sich zwei, aber in einander un- merklich verfliessende Gruppen unterscheiden, deren obere weniger mächtige vorwiegend aus grauen und rothen verhärteten Mergeln und kalkigen feinkörnigen Sandsteinen, wechselnd mit einzelnen Conglome- ratschichten, besteht und sich durch den gänzlichen Mangel an Petre-

der Kreideschichten in den Ostalpen. 5

facten auszeichnet. Wenn nicht ganz gleiche Gesteinschichten auch in den unteren Gruppen wiederkehren würden, könnte man sich sehr nicht versucht fühlen, dieselben für tertiär zu halten.

Die untere, weit inächtiger entwickelte Gruppe besteht ihrer Hauptmasse nach aus grauen, gelb- oder blaugrauen, zum Theile sehr Aveiehen Mergeln, die stellenweise einen ungemeinen Reichthum der mannigfachsten organischen Reste beherbergen. Ihnen sind alle an- deren Gesteinschichten, an denen die Gosau so reich ist, eingelagert. Sie wechseln vielfach mit Ränken von Kalkstein, kalkigem Sandstein und mit Conglomeraten, die vorzüglich an der Rasis des ganzen Schichtensystems und an der nordöstlichen Grenze desselben mächtig entwickelt sind. Resonders interessant sind einzelne Ränke von Kalk- stein oder kalkigem Mergel, die von einer erstauidichen Menge von Rudisten (vorzüglich Hippuriten, seltener Radioliten und Caprinen), so wie auch von einem überraschenden Formenreichthum von Korallen erfüllt sind die sdgenannten Hippuriten- und Korallenkalke während andere wieder beinahe ganz aus den fossilen Schalen grosser Actäonellen und Nerineen zusammengesetzt sind. So constant übrigens der Charakter dieser Schichten ist, so können sie doch nicht, wie man es mehrfach gethan hat, für eine besondere Etage des Gosausystems angesprochen werden, da sie in demselben keine be- stiinmte Stelle einnehmen , sondern in dem verschiedensten Niveau auftreten, bald tief unten, bald wieder, wie an der Traunwand, hoch oben, fast an der Spitze der ganzen versteinerungsführenden Gruppe.

Dass sämmtliche Gosauschichten der Kreideformation angehören, wurde schon von den meisten Geognosten, welche früher die Gosau untersucht haben, ausgesprochen. Nur war man nicht ganz einig darüber, welche Stelle ihnen in der Reihe der Kreidegebilde ange- wiesen werden solle. Zuerst glaubte man in ihnen die Vertreter meh- rerer Kreide-Etagen zu finden; in der jüngsten Zeit überzeugte man sich dagegen, dass dies nicht der Fall sei und dass die Gosau- gebilde vorzugsweise den jüngeren Kreideschichten zu parallelisiren seien. Wenn man dies auch nur durch sehr wenige Fossilreste geleitet mehr ahnte als bewies, so haben doch meine sorgfäl- tigen paläontologisohen Untersuchungen diese Ansicht vollkommen bestätigt; ich glaube in meiner Abhandlung mit Gewissheit nach- gewiesen zu haben, dass die Gosauschichten die Vertreter des Systeme

6 Reiiss. Beiträge zur Charakteristik

iuronien und vielleicht auch der untersten Schichten des Senonien in den östlichen Alpen sind, dass ihnen also so ziemlich dieselbe Stel- lung zukomme, wie dem böhmischen und sächsischen Pläner.

Ich habe bisher unter den Gosauversteinerungen 105 Arten erkannt, welche schon aus den Kreideschichten anderer Länder bekannt geworden sind. Unter ihnen zähle ich 18 Foraminiferen 24 Anthozoen 4 Bryozoen

8 Rudisten

3 Brachiopoden 23 Acephalen 13 Gasteropoden

1 Cephalopode

2 Anneliden

9 Entomostraceen.

105

Von dieser Gesainmtzahl kommen 83 Arten uwSijfitenie turonien wenn man den Pläner darin mit einbegreift, vor, nur 52 Arten aber im Systeme senonien mit InbegrilT des böhmisclien Plänermergels, und von diesen gehören 21 gleichzeitig auch noch dem Turonien an. Nur 16 Arten sind bisher im Senonien ausschliesslich gefunden wor- den. Diese Vergleichung, die ich noch weiter durchgeführt habe, gibt uns schon hinreichende Gründe an die Hand , aus denen die grosse Annäherung der Gosaugebilde an die Kreideschichten des Systeme turonien hervorgeht.

Nur eines sehr in die Augen fallenden und in hohem Grade das eben Dargelegte bestätigenden Umstandes muss ich noch Erwäh- nung thun. Die schon früher erwähnten Hippiu'itenkalke umschliessen vorzugsweise Anthozoen und Rudisten. Von den ersten sind mir 140 Arten bekanntgeworden, von letzteren, die ich nicht zum besonderen Gegenstaude meiner Untersuchungen gemacht haben, nur 10 Arten. Von den 24 auch schon anderwärts gefundenen Anthozoen sind 23, die erwähnten Rudisten aber alle dem Systeme turonien eigenthüm- lich und zwar der d'Orbigny'schen dritten Rudistenzone, wie solche in Frankreich in den Corbieres, bei Uchaux, Bains-de-Rennes, La Cadiere u. s. w. so schön entwickelt ist. Eine Übereinstimmung, die man gewiss in höherem Grade nicht erwarten kann. Dieselben

der Kreideschichten in den Ostalpen. 7

Resultate ergeben sich aus dein genaueren Studium der Gosau- schichten von St. WolfgJtng und anderen Orten.

Ohne in weitere Details einzugehen muss ich nur noch wenige Worte über den zweiten paläontologisehen Theil meiner Abhandlung beifügen. Er umfasst die Beschreibung von 34 Species Foraminiferen, 140 Anthozoen, 14 Bryozoen und 15 Entomostraceen , sämmtlich aus den Gosauschichten der östlichen Alpen. Besonders den durch ihren Reichthum und ihre Formenfülle ausgezeichneten Anthozoen habe ich meine Aufmerksamkeit gewidmet, da dadurch ein Beitrag nicht nur zur paläontologischen Kenntniss der Alpen geliefert wird , sondern auch unsere Kenntniss der fossilen Anthozoen überhaupt gefördert werden dürfte; denn es wird wohl nur wenige Punkte geben, die eine sogrosse Menge von Arten und von höchst interessanten Formen insbesondere auf so engen Raum zusammengedrängt und in einer so grossen Menge von Individuen darbieten möchten, als eben die Gosau. Von sämmtlichen 140 Arten waren bisher nur 31 theils durch Gold- fuss, theils durch Michelin, d'Orbigny und besonders durch Milne-Edwar ds beschrieben worden.

Von Foraminiferen, Bryozoen und Entomostraceen hat man bisher keine einzige Species aus der Gosau gekannt. Die Untersuchung der sparsamen und sehr fragmentären eckschuppigen Fischreste aus den kohlenführenden Stinkmergeln von St. Wolfgang verdanke ich meinem verehrten Freunde, Herrn Akademiker Hecke!, welcher bei ihnen die grösste Analogie mit dem bisher als rein paläozoisch anerkannten Genus Palaeoniscns fand; eine sehr merkwürdige Thatsache, wenn sie durch Auffindung vollständiger erhaltener Reste ihre Bestätigung finden sollte.

Im Anhange endlich habe ich noch die Charakteristik von 11 Ar- ten Acephalen und 6 Gasteropoden beigefügt, meist kleine bisher ganz übersehene Formen. Die übrigen Mollusken habe ich nicht berück- sichtigt, um fremden Arbeiten nicht vorzugreifen. Beinahe von sämmt- lichen beschriebenen Arten habe ich auf 30 Tafeln getreue Abbil- dungen beigegeben, sowie auch eine geognostische Karte des Gosau- thales geliefert wurde.

8 Jordan. Krystallisirtes Zinkoxyd aus einem Hochofen.

Krystallisirtes Zinkoxyd aus einem Hochofen. Von Med. Dr. Hermann Jordan in Saarbrücken.

An dem Hochofen der Fischbacher Schmelze bei Saarbrücken hatten Sprünge, welche oberhalb der Rast durch den Kernschacht bis zur Füllung gedrungen waren, im Jahre 1849 eine Ausbesserung des Mauerwerkes nöthig gemacht. Beim Ausbrechen der schadhaften Stel- len fanden sich die Sprungflächen und die Hochofenschlacken, welche zur Füllung dienten, theilweise mit einer prachtvollen Krystallkruste bedeckt und einzelne Klüfte von derartigen , etliche Linien bis 1 % Zoll mächtigen Gängen ausgefüllt. Herr Hüttenverwalter Mügel hat mehrere ausgezeichnete Handstücke vor der Zertrümmerung gerettet und mir freundlichst mitgetheilt.

Die krystallisirte Substanz erwies sich bei der chemischen Prü- fing als Zinkoxyd. Dieses verdankt seine Entstehung der Blende, welche den auf der Hütte verschmolzenen Eisensteinen beigemengt war; unter letzteren sind die durch ihre organischen Einschlüsse be- rühmt gewordenen nierenförmigen Thoneisensteine von Lebach und namentlich die in ihnen enthaltenen Koprolithen besonders reich an jenem Zinkerze. Das Zinkoxyd ist daher keine ganz seltene Erschei- nung in unseren Hochöfen; indessen gehörten die eigenthümliehen an- gedeuteten Umstände dazu, um das ruhige Zusammentreten der Mas- sentheilchen zu den schönen Gebilden möglich zu machen.

Das Zinkoxyd von der Fischbacher Schmelze erscheint krystal- lisirt in regelmässigen, sechsseitigen Prismen mit geraden Endflächen, seltener in Combination mit der sechsseitigen Pyramide, welche durch eine gerade Endfläche abgestumpft ist •). Viele Krystalle sind an den Enden ausgehöhlt, manche von der Höhlung ganz durchdrun- gen. Die Grösse der Krystalle steigt von mikroskopischer Deutlich- keit bis 9'", die der Nebenaxen bis über 2'". Die wenigsten Krystalle sind fast farblos, die meisten von beigemischtem Eisenoxydul grün in verschiedenen Nuancen, vollkommen durchsichtig bis dureh-

*) In dem Tagblatte der Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Wiesbaden , S. 70 , ist die Krystallform des von mir vorgezeigten Zink- oxydes als rhombisch bezeichnet. Diese Angabe beruht auf einem Irrthum, indem ich nur der verschiedenen Ansichten über das Krystallsyslem des Zinkoxydes Plrwähnung that.

Schabus. Krystallform des Zinkoxydes.

9

scheinend ; manche Krystalle sind an den Enden dunkler gefärbt, ähn- lich den schönen Turmalinen von St. Pietro auf Elba. Die Flächen sind glatt und glänzend; an manchen Flächen und Kanten ist eine leichte Biegung um die Hauptaxe mit blossem Auge bemerkbar.

Die Krystalle sind in Gruppen vereinigt und häufig von krystal- linischen Krusten umschlossen, welche den ersten Überzug der Mauer- steine und Füllungsschlacken bildeten. Auch krystallinische Massen von traubigem Ansehen kamen vor.

Herr Professor Schrötter hat die Güte gehabt, die folgende Untersuchung eines ausgezeichneten Krystalles zu veranlassen.

Krystallform des Zinkoxydes. Von Jakob Schabas.

Das in der Natur vorkommende Zinkoxyd wurde, da die Krystall- form desselben nie vollständig ausgebildet erscheint, und die Thei- lungsfläcben, obwohl ziemlich vollkommen, doch zu verlässlichen Mes- sungen nicht geneigt sind, lange Zeit für prismatisch gehalten. Die an Theilungsflächen gemessenen Winkel eines vierseitigen Prismas werden in Mobs' Grundriss zu 1250 angegeben, und selbst in dem von Zippe bearbeiteten zweiten Theil der Anfangsgründe der Mine- ralogie, Seite 419, sind ausser den Theilungsriclitungen, deren Flächen sich unter 120^' schneiden noch zwei andere angeführt» welche ein Prisma von 81 <• 46' bilden, die also wahrscheinlich mit den von Tr 00 st zu 100" Neigung angegebenen identisch sein sollen; f i£ur 1. auch hier ist demnach das orthotype (rhom-

bische) System beibehalten worden.

Die Untersuchungen von H a u s m a n n , Koch, Cloiseaux und Levy setzen jedoch ausser Zweifel, dass das Krystall- systeni, in welchem das Zinkoxyd krystal- lisirt, das rhomboedrische (hexagonale) ist. Das mir zur Untersuchung gegebene Stück ist schwach spargelgrün, zeigt ganz geringen Dichroismus, so dass der ordinäre Strahl 0(Fig. 1), mehr ins Blaue, der extra- ordinäre E mehr ins ülgrüne geneigt er- scheint, und durchsichtig; die Härte beträgt nahe o-O, Die Form wird gebildet durch das

10

S chab u s.

sechsseitige Prisma (M) Fig. 2, die gleichkantige sechsseitige Pyra- mide (p) und die auf der Axe senkrecht stehende Fläche (o). Die Flächen des sechsseitigen Prismas sind, obwohl sie an einzelnen Stellen ausgezeichnet spiegeln, doch nicht vollkommen eben, so dass den folgenden Neigungswinkeln kein grosses Gewicht beige- legt werden kann. Es wurde nämlich gefunden (Fig. 2 a und 26). Figur 2 a. Figur 2 6.

Neigung von TF/j zu 31^ = 119» 49'

3r.

, ^h

=-

1200 S2'

M, ,

, 31,

=■

1200 35'

3h ,

, 31,

=

1190 53'

3h ,

, 3h

^

1200 25'

3h ,

, M,

^

1200 39'

7220 13' Schon der Umstand, dass die Summe aller 6 Winkel um 2o 13' zu gross ausfällt, beweist zur Genüge das eben Gesagte, aber auch daraus, dass die Neigung der beiden Flächen 31, und 3h »n zwei verschiedenen Stellen ganz verschieden gefunden wurde (120o 25' und 1200 40'), geht hervor, dass der aus den angeführten Zahlen scheinbar hervortretenden Regelmässigkeit, bezüglich des rhombischen Systems, kein Gewicht beizulegen sei.

Ausser diesen Winkeln wurde noch durch Messung bestimmt: Neigung von M, zu pi = 151o37-5' » 3h . Pk = . 280 21-5'

Krystallform des Zinkoxydes. 1 1

Neigung

von

Pl

zu

/^4 =

560 45'

»

V^

55

iJL^

151035'

n

n

Pb

»

M,^

1510 41'

n

n

p^

«

560 44'

«

Pe

»

^/e-

1510 43'

n

y>

Pi

»?

Pz =-

1270 43'

»

w

Fi

»»

/>6 =

1270 42'

Die übrigen Kanten gaben, weil die sie bildenden Flächen nicht eben und spiegelnd genug waren, keine brauchbaren Resultate.

Von diesen Winkeln stimmen zwar die 3 ersten nahe genug überein, allein diese Übereinstimmung dürfte wohl mehr zufällig sein, da aus den schon angeführten Gründen die Neigung von den Prismen- flachen nicht sehr verlässlich bestimmbar ist. Vollkommen eben und ausgezeichnet glänzend waren die Flächen pi, p^ und p^ und den hier angeführten Winkeln der beiden Axenkanten (Polkanten) der sechs- seitigen Pyramide zu 127" 42' und 12To43' muss man desshalb auch das grösste Gewicht beilegen, was auch aus den Werthen von 10 Re- petitionen , wovon die äussersten nur um 4 Minuten von einander verschieden waren, hervorgeht. Das arithmetische Mittel aus diesen beiden Winkeln (127o42"5') wurde daher auch der Rechnung zu Grunde gelegt i).

Die Neigung von M 7a\ p wird desshalb = 151 o 48'. Die Ro- zeichnung nach Mobs ist daher:

Grundgestalt : Rhomboeder

R =- 680 28' ; « -= V 231389. Einfache Gestalten: R—oo (o); P (p). P -^ oo (M). Combination: R oo. P. P-j-oo. Die nach Nauma nn:

Grundgestalt: Hexagonale Pyramide :«= 1*6034 Combination: o P. P. ooP.

*) Dieser Wii^kel stimmt .luch mit dem von Gustav Rose in seinem ki\v- stallo-chemischen Mineralsystem, Seite 65 angegeben, iiberein; dort ist er m I27O (41)' 43') angegeben.

12 Kenngott.

Mineralogische Notizen.

(Dritte Folge.)

Von Dr. Ä. Renngott.

1. Über ein gemeinschaftliches Vorkommen des A r a g 0 n i t e s und Kalkspathes.

Ein von Waltsch in Böhmen stammendes Exemplar zeigt unregelmässig verwachsene und stenglige Krystalloide des Aragonites von blass violblauer ins blasse Rosenroth gehender Färbung, welche durchsichtig bis durchseheinend und glasglänzend sind. Dieselben bilden die vorwaltende Ausfiillungsmasse eines kugeligen Mandel- steinhohlraumes in einer Grundmasse, deren Beschaffenheit aus weni- gen anhängenden Theilen nicht genau zu bestimmen ist. In einem grösseren Aragonitkrystalle ist ein rhomboedrisches Stück Kalkspath von bräunlichgelber Farbe eingeschlossen und gleichgefärbter Kalk- spath bildet die Unterlage des Aragonites überhaupt.

Da man aus den Versuchen G. R o s e\s über die Bildung von Kalkspath und Aragonit unter verschiedenen Verhältnissen der Tem- peratur des Fiuidums gefolgert hat, dass, wenn wie in dem vorliegen- den Exemplare Aragonit und Kalkspath zugleich in derselben Höh- lung von Mandelstein oder Basalt angetroffen werden, man annehmen dürfe, dass beide zu verschiedenen Zeiten gebildet wurden, oder dass der Kalkspath früher Aragonit war, so gewinnt das in Rede stehende Stück um so grösseres Interesse, weil man an ihm bestimmt die Bil- dung zu verschiedener Zeit und die Reihenfolge derselben sehen kann.

Es lässt nämlich dieses Exemplar sehr schön den Verlauf der Ausfüllung von Hohlräumen in Mandelsteinen durch vermittelst Wassers zugeführte Substanzen verfolgen, wie ich denselben in der Abhand- lung „über die Achatmandeln in den Melaphyren, namentlich über die von Theiss in Tirol" (Naturwissenschaftliche Abhandlungen gesam- melt und herausgegeben von W. Hai ding er, IV. Band, II. Abthlg. 71 ff.) auseinander gesetzt habe. In dem vorhandenen Hohlräume setzte sich zuerst durch wasserhaltiges Eisenoxyd gelbgefärbter Kalkspath in Krystallen auf den Wandungen ab, wobei man auch die durch die auflösende Kraft und mechanische Einwirkung des Fiuidums

Mineralogische Notizen. 1 3

hervorgebrachte theihveise Zerstörung der Wandungen durch abge- bröckelte einzelne Theile der festen Gesteinsmasse sieht, Melche in Achatmandeln oft zu beobachten ist. Aus der Menge des Kalkspathes lässt sich auf eine kurze Dauer des Absatzes schliessen und die dar- auffolgende Bildung des Aragonites ging unter veränderten Verhält- nissen der Temperatur vor sich, welche gewöhnlich mit Absätzen ver- schiedener Speeies in Verbindung zu stehen ptlegt. Die Krystalle des Aragonites setzten sich über dem krystallisirten Kalkspath fest und erfüllten nach und nach ohne Unterbrechung der Bildung den ganzen Hohlraum.

Da die Aragonitkrystalle anders gefärbt und weit reiner, als die Kalkspathkrystalle sind, so sieht man hieraus , wie das mit Kalkcar- bonat geschwängerte Fluidum durch die bereits vorhandene Kalk- spath-Ablagerung gleichsam filtrirt wurde und die gelbe durch äusserst fein vertheiltes pulverulentes Pigment hervorgebrachte Färbung auf- hörte, dagegen das noch vorhandene Eisen durch irgendwelche Ver- bindungsweise dieblasse, röthlichblaue Farbe des Aragonites erzeugte, oder dass der Einfluss des die Gesteinsmasse durchdringenden Fhü- dums auf dieselbe ein anderer geworden ist. So wie früher von den Wandungen des Hohlraumes sich einzelne Theile losbröckelten und dadurch mit der Ausfüllungsmasse gemengt erscheinen, bröckelten sich auch einzelne Kalkspathkrystalle oder Theile derselben ab und wur- den auf diesem Wege von dem krystallisirendenAragonit umschlossen.

Die N^atur des ersten Absatzes, eine Bekleidung der Wandungen durch neben einander aufgewachsene Kalkspathkrystalle würde die an den Achatmandeln vorkommenden Zuführungscanäle gar nicht als nothwendig erscheinen lassen, da ein krystallinisches Aggregat ganz gut geeignet ist, den Eintritt eines Fluidums in das noch unerfüllte Innere zu vermitteln, doch sieht man auch hier noch dazu sehr instruc- tiv den Ort eines Zuführungscanais und wie die letzten Aragonittheile sich in retrogader Weise gegen diese Stelle hin als feine lineare Ge- bilde absetzten, nachdem der disponible Baum durch den Absatz im ganzen Innern sich immer mehr verengt hatte, bis endlich die Aus- füllung abgeschlossen Avurde.

Die Erfahrung, welche man hiernach an diesem Exemplare macht, dass Aragonit nach dem Kalkspath als Ausfüllungsmasse eines man- delsteinartigen Hohlraumes entstanden ist, in Verbindung gebracht mit dem Temperatur-Unterschiede, welcher nach G. Bose's Beobach-

14 Keniigoll.

tungen auf die Entstehung- der einen oder der anderen Species von Einfluss ist, so dass für die Aragonitbildung eine hohe Temperatur des Fhiidums vorauszusetzen ist, lässt auf einen Temperaturwechsel der das Kalkcarbonat zuführenden Quellen schliessen und annehmen, dass der Absatz zu einer Zeit stattfand, als das Gestein vollkommen erkaltet war und seine ursprüngliche Temperatur keinen Einfluss auf die Temperatur der zugeführten Wasser hatte, weil die vorliegende Reihenfolge des Kalkspathes und Aragonits eine Zunahme der Tempe- ratur annehmen lässt.

Von einer Umwandlung des Aragonites in Kaikspath kann hier nicht die Rede sein, da der Anblick nicht den entferntesten Gedanken daran aufkommen lässt, denn beide Species sind, soweit es die Ver- hältnisse gestatten, in einem Zustande vollkommener Ausbildung, so dass man die individuelle Ausbildung beider deutlich beobachten kann, wozu noch der Einschluss des krystallisirten Kalkspathes im krystal- lisirten Aragonit kommt, welcher durch scharfe Regrenzung der Theile und Unterschiede in den morphologischen und physikalischen Eigenschaften so unzweifelhaft ist, dass man mit Wissen und Willen irren müsste, wenn man den Vorgang der ganzen Ausfüllung anders erklären wollte, als ich es gethan habe.

Reiläutig muss ich eines zweiten Exemplares bei dieser Gelegen- heit gedenken, welches dünnstengeligen, radialgestellten, bhissgelben Aragonit zeigt, dessen Stengel nicht gleichmässig dicht gestellt und an Länge wechselnd sind, wodurch Zwischenräume entstehen, welche durch die radiale Stellung nach aussen hin, vom Centrum aus gerechnet vermehrt und vergrössert werden. In diesen Zwischenräumen befindet sich gelblichweisser, krystallinisch-feinkörniger Kaikspath mit deut- lichen Spaltungsfiächen. Derselbe hat sich olTenbar nach dem Aragonit gebildet und verband die Zwischenräume ganz oder zum Theile aus- füllend die vorher nur lose verbundenen stengeligen Krystalloide zu einem festeren, immerhin aber noch leicht zerbrechlichen Ganzen. Der Fundort ist Rurgheim am Kaiserstuhl.

2. Gewi cht sbestim nuingen an Aragonitkryst allen. Vorzüglich reine, blassweingelbe, durchsichtige Krystalle des Arago- nites von Horschentz iuRöhmen dienten zur Restimmung des specifischen Gewichtes. Gefunden wurden an sieben Krystallen die Zahlen: 2920; 2940, 2940, 2942, 2-944. 2-9ö;i und 2-960, deren Mittelwerth = 2-943 ist.

IMiiieralogische Notizen. 1 O

3. Einschlüsse von Mineralen in kr ystallisirtem Quarz.

Die Zahl der von mir bereits früher (Bd. IX, S. 402, der Sitzungsberichte der matheniatisch- naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften) mitgetheilten Mineral- Species, welche als Einschlüsse in krystallisirtem Quarz vorkommen, wird durch den F 1 u s s s p a t h und S i 1 b e r g 1 a n z vermehrt. Ich fand nämlich licht-gelblichgrünen oder grasgrünen krystallinischen, durch- sichtigen Flussspath in dunkel-rauchbraunem Bergkrystall aus Sibi- rien. DerBergkrystall wurde durchgeschnitten und polirt, damit man den eingewachsenen Flussspath deutlich sehen könne. Die Umrisse der Gestalt im Durchschnitte lassen keine bestimmte Krystallform des Flussspathkrystalloides erkennen, da jedenfalls das mit dem Berg- krystall gleichzeitig gebildete Individuum durch die vollkommene Um- schliessung an regelmässiger Gestaltung gehindert wurde. An einem Exemplare vom Schlaggenwalde in Böhmen zeigten iichtgraue, gegen die Enden bräunliche und durchsichtige Krystalle des Quarzes viele kleine Flussspathkrystalle in der Combinationsgestalt des Hexa- eders und Rhombendodekaeders mit oder ohne den Flächen des Okta- eders als Einschluss. Dieselben waren grau, weiss oder blassblau, durchsichtig bis durchscheinend und glänzend, und zeigen auc im Contact mit der Quarzmasse jenen metallischen Glanz, wie er bei Glimmer und Chlorit bemerkt wurde. Auf denselben Quarzkrystallen waren schwärzlichblaue, an den Kanten durchscheinende, wenig glänzende Flussspathkrystalle in der Combination des Hexaeders und Oktaeders aufgewachsen, welche ein von den eingewachsenen ganz verschiedenes Aussehen und rauhe Oktaederflächen hatten.

Hieran schliesst sich ein interessantes Stück aus Northumber- land in England, welches den gleichzeitigen Krystallisationspro- cess des Quarzes und Flussspathes und Flussspath als Einschluss in Quarz nachweist. Aus derselben Flüssigkeit krystallisirten weisser Quarz und violblauer durchsichtiger Flussspath und bildeten neben und mit einander verwachsene Krystalle. Die Masse des Quarzes war überwiegend und hierbei ereignete es sich, dass sich Flussspath- krystalle auf die Enden wachsender Quarz-Individuen setzten und somit die fernere Ausbildung in der Richtung der Haupt:ixc hinderten, jedoch nur da, wo sie aufsassen, während dasselbe Quarz -Indivi- duum sich durch rings um den aufsitzenden Flussspathkrystall sich

i 6 Kenn got t.

absetzende Quarzmasse in der Richtung der Hauptaxe vergrösserte. Auf diese Weise sieht man den aufgewachsenen Flussspathkrystall an dem Ende des Quarzkrystalles von Quarzmasse eingefasst, wie einen Stein in einem Ringe.

Ferner wurde Silberglanz in krystalliniscben, lamellaren, zum Theil tlockigen Gestalten in halbdurehsichtigen weisslichen Quarzkrystallen von Schemnitz in Ungern beobachtet.

4. Über das Verschwinden der Farben des F 1 u s s- spathes durch Glühen und die Ursachen der Farbe.

Da die verschiedenen Farben des Flussspathes unbedingt als unwesentliche anzusehen sind, so habe ich mich bemüht, durch ver- schiedene Untersuchungen die Ursachen der Farben herauszufinden, deren Mannigfaltigkeit so gross ist und die durch ihre Schönheit den Flussspath zu einem stets gern gesehenen Minerale machen. Schon die verschiedenen vorhandenen Resultate der chemischen Un- tersuchung haben gezeigt, dass metallische Stoffe nicht die Ursache der Farben sind , obgleich die blauen , grünen und gelben Farben dies zwar glauben machen möchten. Verschiedene Prüfungen auf nassem und trockenem Wege haben mit Ausnahme einiger wenigen Fälle nichts dergleichen dargethan. Am auffallendsten aber spricht die gemachte Erfahrung dagegen, dass der Flussspath durch Glühen die Farbe vollständig einbüsst, und dass gewisse blaue Varietäten, deren Färbung einer bituminösen Substanz zugeschrieben wird, mit der Zeit gebleicht werden. Ich habe aus diesem Grunde F'ussspathe von der verschiedensten Art und Stärke der Farbe in Bezug auf ihr Verhalten gegen Hitze untersucht und fast bei allen gefunden, dass sie, selbst die dunkelsten, vorsichtig erwärmt nach und nach wasserhell werden, dass sie dabei decrepitiren und phosphoresciren, ist bekannt; das erstere wird meist gehindert, wenn man die nöthige Vorsicht anwendet.

Der durch Glühen herbeigeführte Verlust der Farbe, wovon nur äusserst wenige, schon durch die Art ihrer Farbe kenntliche Flussspatbe ausgenommen sind, welche durch Malachit oder Kupfer- lasur oder Eisenoxyd gefärbt sind, weist darauf hin, dass irgend ein Stoß' vorhanden sei, der nicht in den beiden Elementarbestand- theilen des Flussspathes liegt, und ebenso gewiss erscheint es, dass derselbe nicht metallisch ist. Ob derselbe aber unter allen Um- ständen flüchtiger Natur sei, konnte ich nicht bestimmen, weil es

Mineralogische Notizen. 1 7

auch nicht im Bereich der Wahrscheinlichkeit liegt, denselben als solchen stets bestimmen zu können.

Die Angabe Wolffs, dass der grüne phosphorescirende Fluss- spath vom Ural beim Glühen einen Verlust von 0'0416 Proeent er- leidet (Journal für praktische Chemie von Er d mann und Mar- chand XXXIV, 237), veranlasste mich, ähnliche Proben anzustellen, wodurch diese vollständig bestätigt wird. Hierbei fand ich. dass sehr dunkelviolblaue Krystalle von St. Gallen in Steyermark durch Glühen eine Gewichtsabnahme von 0'05223 Procent, smaragdgrüner aus Sibirien eine Gewichtsabnahme von 00222 Procent, röthlich- violetter Chlorophan genannter Flussspath aus Sibirien einen Ge- wichtsverlust von 00021 6 Procent, dunkelviolblauer krystallinischer aus Derbys hire einen Gewichtsverlust von 0"0463 Procent und weingelber, wahrscheinlich von Gersdorf in Sachsen einen Ge- wichtsverlust von 0*0212 Procent ergaben.

Ein licht-apfelgrüner Flussspath, wahrscheinlich aus America (nach dem Aussehen im Vergleich mit anderen von daher zu beur- theilen) ergab einen Gewichtsverlust von 0-236 Procent. Hier dürfte aber der Verlust nicht dem färbenden Stoffe allein zuzu- schreiben sein , da die ganze Oberfläche im Innern des bei der Untersuchung angewendeten Glasfläschchens wie behaucht er- schien, was von einem Stofi'e herrührte, der sicher nicht Wasser war, da der Flussspath eine Stunde lang dem Feuer ausgesetzt blieb. Derselbe konnte durch Wasser entfernt werden und das ge- reinigte Fläschchen zeigte keine Gewichtsveränderung. Bei allen vorgenommenen Proben wurde das Fläschchen, in welchem die Glüh- versuche vorgenommen wurden, vor und nach dem Glühen, sowie die Probe desFlussspathes vorher für sich und im Fläschchen dem Gewichte nach genau bestimmt, und nach dem Glühen im Fläschchen abge- wogen. Damit während des Glühens keine, auch selbst nicht die klein- sten Theilchen durch Decrepitiren verloren gingen, wurde das Fläsch- chen mit einem dünnen Platinblech fest verschlossen, dessen Gewicht gleichfalls vorher bestimmt war und die Gewichtsabnahme im ver- schlossenen Fläschchen bestimmt. Bei allen Proben wurde der Fluss- spath farblos.

Zum Vergleiche wurde auch das bekannte blaue Steinsalz einer gleichen Untersuchung unterzogen; es Avurde wie der blaue Flussspath zuerst pflaumenblau, röthlich, blassroth und endlich wasser-

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XI. Bd. I. Hft. 2

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hell. Der Gewichtsverlust betrug 0*0212 Proeent. Um nicht ent- weichendes hygroskopisches Wasser mit dem Glühverluste , der auf die Farbe Bezug hat, zu verwechseln, wurde die angewandte Probe, ein ganz frisches Spaltungsstück in einem Glase eine Stunde im Was- serbade erhitzt und dann erst, wie der Flussspath abgewogen und dem Glühen unterworfen. Bemerkenswerth ist hierbei , dass die gesättigte Auflösung des blauen Steinsalzes im Wasser vollkommen farblos ist und später das Salz farblos krystallisirt.

Dass der den Flussspath färbende StolT überdies auch durch die Anwesenheit des Fluors in gewisser Beziehung beeinflusst werde, wenn gleich die bunten Farben stets als unwesentliche betrachtet werden müssen, beweist auch das Vorkommen ähnlicher Farben bei anderen Fluor enthaltenden Mineralien, wie z. B. bei dem Apatit und Topas, und die Elektricität übt sicher , während der Entstehung der Krystalle einen grossen Einfluss auf die Entstehung und die Art der entstandenen Farben aus, wofür besonders die mannigfache, aber meist in ihrer Art regelmässige Vertheilung der Farben spricht, welche kaum bei irgend einem anderen Minerale so scharfe Grenzen und so verschiedene Farben in so geringen Diflerenzen des Baumes darbietet. Die besondere Empfänglichkeit des Flussspathes für das gewiss zarte Pigment zeigt sich auch darin, dass Kalkspath oder Quarz, welche so häufig mit dem Flussspathe vorkommen und in den meisten Fällen un- zweifelhaft aus demselben Fluidum heraus sich gebildet haben, nicht im Geringsten davon berührt werden, indem nicht selten weisser Kalk- spath oder Quarz mit blauem, gelbem oder grünem Flussspath verge- sellschaftet sind und im engsten Anschluss aneinander die schärfste Ab- grenzung der Farben zeigen. Bisweilen auch ruft der Contact des Flussspathes mit einem anderen Minerale die Farben hervor, die in der übrigen Masse nicht zu sehen sind, eine Erscheinung, welche mit der Einwirkung der Elektricität auf die Farben des Flussspathes in Zusannnenhang gebracht werden kann. So zum Beispiel wird wein- gelber Flussspath vom Annaberg in Sachsen durch den Contact mit Quarz violblau, wasserheller aus Derbyshire in England durch den Contact mit Bleiglanz oder mitMarkasit gleichfalls violblau.

J>. Fernere Bemerkungen über den Chali I i th.

Unter den zuletzt mitgetheilten Beobachtungen über die Be- schaffenheit verschiedener Minerale hatte ich zweier Minerale er- wähnt, welche sich untei- dem Namen Chalilith in den Samm-

Mineralogische Notizen. 1 9

hingen des k. k. Hof-Mineralien-Cabinefes vorfanden. Das eine der- selben glich am meisten dem von Thomson unvollständig be- schriebenen Chalilith. Der k.k. Hauptmann Herr Ritter C. v. Hauer hatte inzwischen die Güte, dasselbe zu analysiren, wodurch sich ergab, dass dasselbe auch nicht der von Thomson aufgestellte Chalilith ist. Herr C. v. Hauer fand:

38"56 Kieselsäure 27-71 Thonerde 1201 Kalkerde 6-85 Talkerde 14-32 Wasser Spuren Eisen 9945 Die Berechnung ergibt hieraus die Formel 3 Ca Mg 0. 2 Ali ^3 + 3 (2H0. Si O3), welche Resultate offenbar soweit von der Analyse abweichen, welche Thomson für den Chalilith mittheilte, dass eine Vereinigung nicht möglich erscheint. Thomson fand bekanntlich: 36-56 Kieselsäure 26-20 Thonerde 10-28 Kalkerde

2-72 Natron 16-66 Wasser 9-28 Eisenoxyd 101-70 woraus, wenn man, was der Analyse gemäss gerechtfertigt erscheint einen Theil des Eisenoxydes als Eisenoxydul in Rechnung bringt, sich die Formel 3 (Ca Na Fe O. Al^ Fe.^ O3) + 4 (2 HO. Si O.) er- gibt, in welcher nur der Wassergehalt ein wenig niedriger angenom- men ist. Wollte man jedoch das ganze Eisenoxyd als Eisenoxydul in Rechnung bringen, so würde man wohl eine Formel construircn kön- nen, welche der obigen gleich wäre, nämlich 3 Ca Fe Na O. 2 Ah O3 4" 3 (2 HO. SiOi) worin aber neben dem Fehler in Betreff des Wassergehaltes, die Summe der einatomigen Basen Kalkerde, Natron, Eisenoxydnl zu hoch angenommen wäre, da das Verhältniss von Ca Fe NaO : AI. O3 = l-3o : 1 == 2-70 : 2 sich ergibt.

6. Über das mit dem Namen Crucilit belegte Mineral.

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20 K e 11 ri g o 1 1.

Dass das Crucilit genannte Mineral von Dublin eine Pseudo- morphose sei, ist nicht zu bezweifeln, da sein Ausseben dafür spricbt. Es erscbeint in einzelnen Krystallen, welcbe ein rhombisches Prisma mit gerader Basis darstellten und dessen Kantenwinkel nahezu 120" misst. Häufig sind die Krystalle als Zwillinge oder Drillinge ähnlich denen des Staurolithes verwachsen, worauf auch der Name hinweist, in dem sie einander unter Winkeln von